Wie grün ist Biomasse wirklich?

Veröffentlicht am20.7.2026

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Biomasse Rohstoff und die daraus hergestellten Pellets

Das Wort „Biomasse“ stammt vom griechischen bios und bedeutet „Leben“. Dahinter verbergen sich alle organischen Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die zur Energiegewinnung genutzt werden können. Auf den ersten Blick klingt das äußerst nachhaltig. Lange Zeit galt Biomasse deshalb als Musterbeispiel für grüne Energie: erneuerbar, regional und aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Doch hinter dem Begriff verbergen sich sehr unterschiedliche Rohstoffe und Nutzungsmöglichkeiten. Zwischen Bioabfällen, landwirtschaftlichen Reststoffen, Holz und Energiepflanzen wie Mais bestehen erhebliche Unterschiede. Die entscheidende Frage lautet daher heute: Wie nachhaltig ist Biomasse wirklich?

Biomasse ist nicht gleich Biomasse

Biomasse umfasst alle organischen Materialien, die zur Energieerzeugung genutzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Holz, landwirtschaftliche Reststoffe, Gülle, Bioabfälle, Rückstände aus der Lebensmittelindustrie oder speziell angebaute Energiepflanzen.

Doch nicht alle dieser Ressourcen haben die gleiche Umweltbilanz. Besonders nachhaltig gilt die Nutzung von Bioabfällen, Gülle oder landwirtschaftlichen Reststoffen. Diese Materialien fallen ohnehin an und können energetisch verwertet werden, ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen. Anders sieht es bei Energiepflanzen aus: Sie werden gezielt für die Energiegewinnung angebaut und können dadurch mit der Nahrungsmittelproduktion um landwirtschaftliche Flächen konkurrieren.

 

Aus solchen organischen Materialien wird auch Biogas gewonnen. Nach einer Aufbereitung entsteht daraus Biomethan – ein erneuerbares Gas mit ähnlichen Eigenschaften wie Erdgas. Es kann in bestehende Gasnetze eingespeist und flexibel für Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt werden.

Ist Biomasse wirklich klimafreundlich?

Oft wird Biomasse als „CO₂-neutral“ bezeichnet. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Zwar nehmen Pflanzen während ihres Wachstums Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Gleichzeitig entstehen jedoch Emissionen durch Anbau, Transport, Verarbeitung und Nutzung der Biomasse. Die tatsächliche Klimabilanz hängt deshalb stark von den eingesetzten Rohstoffen ab.

 

Entscheidend ist also nicht, ob Biomasse genutzt wird, sondern welche Biomasse genutzt wird. Rest- und Abfallstoffe schneiden in der Regel deutlich besser ab als eigens angebaute Energiepflanzen. Deshalb empfehlen viele Fachleute, vorhandene biologische Reststoffe möglichst effizient zu nutzen und den Anbau zusätzlicher Energiepflanzen kritisch zu betrachten.

 

In Deutschland tragen bereits mehrere Tausend Biogasanlagen zur erneuerbaren Energieversorgung bei. Für die zukünftige Entwicklung sehen Experten jedoch vor allem Potenzial in der stärkeren Nutzung von Abfällen und Reststoffen statt in einer Ausweitung des Anbaus von Energiepflanzen.

Biomasse, Solar oder Wind: Wer hat die Nase vorn?

Auf den ersten Blick scheinen Solar- und Windenergie die bessere Alternative. Sie verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus sehr geringe Treibhausgasemissionen und benötigen im Verhältnis zur produzierten Strommenge häufig weniger Fläche.

 

Biomasse besitzt jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie ist flexibel einsetzbar. Während Solaranlagen Sonnenlicht und Windkraftanlagen ausreichend Wind benötigen, kann Strom aus Biogas oder Biomethan genau dann erzeugt werden, wenn er gebraucht wird. Diese Eigenschaft macht Biomasse zu einer wichtigen Ergänzung anderer erneuerbarer Energien.

 

Beim Flächenbedarf zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Studien zufolge erzeugt ein Hektar Mais zur Stromproduktion meist zwischen 15.000 und 25.000 Kilowattstunden pro Jahr. Eine Freiflächen-Photovoltaikanlage kann auf derselben Fläche ein Vielfaches davon erzeugen. Dadurch wird deutlich, warum Biomasse heute als wertvolle, aber begrenzte Ressource betrachtet wird.

Die Zukunft der Energiewende liegt daher nicht im Wettbewerb zwischen Biomasse, Wind- und Solarenergie. Vielmehr ergänzen sich die Technologien: Wind und Sonne liefern den Großteil des erneuerbaren Stroms, während Biomasse dort einspringen kann, wo Flexibilität und Versorgungssicherheit gefragt sind.

Biomasse ist weder die perfekte Lösung noch eine Sackgasse. Ihre Nachhaltigkeit hängt vor allem von den eingesetzten Rohstoffen ab. Besonders sinnvoll ist die Nutzung von Rest- und Abfallstoffen, da sie vorhandene Ressourcen verwertet und zusätzliche Flächen vermeidet. Gleichzeitig gewinnt Biomethan als speicherbarer Energieträger zunehmend an Bedeutung. Damit bleibt Biomasse ein wichtiger Baustein der Energiewende – nicht als Konkurrenz zu Wind- und Solarenergie, sondern als flexible Ergänzung.