Neue Energieeffizienzklassen: Wo stehen wir im Jahr 2026?
23.7.2026
4 min

Seit 2021 sind die bisherigen Energieeffizienzklassen A+, A++ und A+++ verschwunden und wurden durch eine einfachere Skala von A bis G ersetzt. Ziel dieser europäischen Reform war es, Energielabel verständlicher zu machen und besonders energieeffiziente Geräte besser von weniger effizienten Modellen zu unterscheiden.
Fünf Jahre später hat sich das neue System etabliert. Doch was hat sich für Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich verändert? Und warum kann ein Gerät, das früher mit A+++ bewertet wurde, heute plötzlich in Klasse D erscheinen?
Warum wurde das alte System abgeschafft?
Im Laufe der Jahre wurden Haushaltsgeräte immer energieeffizienter. Die Folge: Ein Großteil der auf dem Markt erhältlichen Produkte befand sich in den Klassen A+, A++ oder A+++. Dadurch verloren die Energielabel zunehmend ihre Aussagekraft, da ein direkter Vergleich zwischen Geräten erschwert wurde.
Um diese Entwicklung zu korrigieren, führte die Europäische Union erneut eine einheitliche Skala von A bis G ein.

Damit sollten zwei Ziele erreicht werden:
- eine einfachere und verständlichere Kennzeichnung für Verbraucher,
- stärkere Anreize für Hersteller, die Energieeffizienz ihrer Produkte weiter zu verbessern.
Ist A heute das neue A+++?
Nein. Das ist wahrscheinlich das häufigste Missverständnis.
Mit der Einführung des neuen Systems wurden die Bewertungskriterien bewusst verschärft und präzisiert. Deshalb wurden viele Geräte, die früher die Bestnote A+++ erhielten, in die Klassen B, C oder sogar D eingestuft.

Wichtig dabei: Der tatsächliche Energieverbrauch dieser Geräte hat sich nicht verändert. Lediglich die Bewertungsmethode wurde anspruchsvoller.
Auch die Klasse A bleibt weiterhin selten. Sie wurde bewusst für die technologisch effizientesten Geräte reserviert und soll gleichzeitig Raum für zukünftige Innovationen schaffen.
Welche Informationen enthält das neue Energielabel?
Das Energielabel besteht heute aus weit mehr als nur einem Buchstaben.

Je nach Produktkategorie informiert es außerdem über:
- den Stromverbrauch,
- den Wasserverbrauch,
- die Geräuschentwicklung,
- die Speicherkapazität oder das Fassungsvermögen,
- die Dauer bestimmter Programme.
Eine weitere wichtige Neuerung ist der QR-Code auf dem Label. Über ihn gelangen Verbraucher direkt zur europäischen Produktdatenbank EPREL, in der detaillierte technische Informationen zum jeweiligen Gerät hinterlegt sind.
Welche Geräte sind heute betroffen?
Zu Beginn der Reform betrafen die neuen Energieeffizienzklassen vor allem Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte sowie Fernseher und Monitore.
Inzwischen wurde das System auf weitere Produktgruppen ausgeweitet. Im Jahr 2026 gilt die Skala A bis G unter anderem für:
- Kühl- und Gefriergeräte,
- Waschmaschinen,
- Wäschetrockner,
- Fernseher und Bildschirme,
- Lampen und Leuchtmittel,
- Smartphones und Tablets.

Wie sieht es bei Gebäuden aus?
Energieeffizienzklassen betreffen inzwischen nicht mehr nur Haushaltsgeräte.
Im Rahmen der überarbeiteten europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) werden ab 2026 schrittweise harmonisierte Energieausweise in der Europäischen Union eingeführt. Auch sie nutzen eine Skala von A bis G, um die Energieeffizienz von Gebäuden einfacher und transparenter darzustellen.
Ziel dieser Harmonisierung ist es, den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und die langfristigen Klimaziele der Europäischen Union zu unterstützen.
Und was ist mit Heizungen?
Heizungsanlagen verfügen bereits seit mehreren Jahren über ein eigenes europäisches Energielabel. Im Gegensatz zu vielen Haushaltsgeräten wurden die Effizienzklassen für Heizkessel und Wärmepumpen jedoch bislang nicht vollständig auf die neue A-bis-G-Skala umgestellt.
In Deutschland wird zudem das nationale Heizungslabel für Bestandsanlagen ab 2026 schrittweise abgeschafft. Verbraucher erhalten jedoch weiterhin Informationen zur Energieeffizienz ihrer Heizsysteme über die bestehenden europäischen Kennzeichnungen.
Wie wird die Reform bewertet?
Insgesamt fällt die Bilanz überwiegend positiv aus.
Was Verbraucher schätzen
- Die neue Skala ist deutlich einfacher und verständlicher als die früheren Klassen A+, A++ und A+++.
- Geräte lassen sich leichter miteinander vergleiche.
- Der QR-Code und die EPREL-Datenbank sorgen für mehr Transparenz.
- Die verschärften Anforderungen fördern technologische Innovationen.
Wo Kritik geäußert wird
Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen.
-
Viele Verbraucher hatten zunächst den Eindruck, ihre Geräte seien plötzlich schlechter geworden, wenn ein ehemaliges A+++ nun nur noch als C oder D ausgewiesen wird – obwohl sich am tatsächlichen Verbrauch nichts geändert hat.
-
Da die Klassen A und teilweise B weiterhin nur selten vergeben werden, fällt es manchen Käufern außerdem schwer, die tatsächliche Bedeutung einer Einstufung in Klasse C oder D einzuordnen.
-
Hinzu kommt, dass die ausgewiesenen Verbrauchswerte auf standardisierten Testbedingungen beruhen. Im Alltag können die tatsächlichen Verbrauchswerte je nach Nutzungsverhalten von diesen Angaben abweichen.
Sollte man seine Geräte austauschen?
Nicht unbedingt.
Ein Gerät der heutigen Klasse D kann durchaus genauso effizient sein wie ein früheres Gerät der Klasse A+++.
Bevor ein funktionierendes Gerät ersetzt wird, sollte zunächst dessen tatsächlicher Energieverbrauch geprüft werden. In vielen Fällen ist es nachhaltiger, ein funktionstüchtiges Gerät weiterzunutzen, statt es vorzeitig auszutauschen.
Die Reform der Energieeffizienzklassen hat die Energielabel verständlicher und vergleichbarer gemacht und ihren Anwendungsbereich schrittweise erweitert.
Auch wenn die neuen Klassen auf den ersten Blick strenger wirken, spiegeln sie höhere Anforderungen wider und schaffen Raum für zukünftige technische Entwicklungen.
Mit den neuen EU-weiten Energieausweisen für Gebäude wird die bekannte Skala von A bis G künftig nicht nur bei Haushaltsgeräten, sondern auch im Gebäudebereich zu einem wichtigen Maßstab für Energieeffizienz. Damit entwickelt sich die einheitliche Kennzeichnung zunehmend zum europaweiten Standard – egal ob bei Kühlschrank, Heizung oder Wohngebäude.
Quellen
https://stromee.de/blog/energiesparen/neue_energieeffizienzklassen
https://www.energie-effizienz-experten.de/news/ab-mai-2026-gelten-eu-weit-neue-energieausweise
https://www.energieaudit365.de/eu-gebaeuderichtlinie-2026-epbd-pflichten-bussgelder-auswirkungen/
https://www.bbsr-geg.bund.de/GEGPortal/DE/ErgaenzendeRegelungen/EPBD/epbd_node.html
https://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Heizungsetikett/heizungsetikett_node.html